Die Hexe von Lipperts

In der ersten Juliwoche des Jahres 1665 wütete ein Großbrand in Lipperts. Nur wenige Häuser blieben verschont. Bei der damaligen Bauweise der Häuser - Holzhäuser meist mit Stroh gedeckt - konnte eine Unachtsamkeit im Umgang mit offenem Feuer sehr leicht eine derartige Katastrophe auslösen.

Noch im Jahre 1811 waren von 45 Anwesen in Lipperts 28 Häuser reine Holzbauten.

Die abergläubischen Menschen des 17. Jahrhunderts fragten bei solchen Katastrophen nicht nach vernünftigen Ursachen, sondern für sie waren übernatürliche Kräfte Urheber des Unrechts.

Nachbarn behaupteten, das Feuer sei aus dem Kamin der Anna Viehmann gekommen und hätte in Windeseile auf die Strohdächer der anderen Häuser übergegriffen. Für die abergläubischen Einwohner von Lipperts war damit alles klar; es kann sich nur um ein Werk des Teufels handeln, der eine Hexe im Dorf besucht hat. Nun musste nur noch durch ein Gericht die Hexe überführt werden. Anna Viehmann wurde in Ketten gelegt und durch Hofer Stadtknechte auf einem Leiterwagen in die Fronfeste der Stadt Hof gebracht, wo ihr der Prozess gemacht werden sollte.

Anna Viehmann wurde nun einer strengen Befragung unterzogen. Das Verfahren wurde nach dem ”Hexenhammer” durchgeführt. Tagelang wies die unglückliche Frau alle Anschuldigungen zurück, die Foltern des ersten Grades durchlitt sie standhaft. Erst als die Gepeinigte die Schmerzen der verschärften Folter nicht mehr ertragen konnte, legte sie folgendes Geständnis ab:

1. Sie habe mit dem Teufel Hans auf dem Trappenberg getanzt.

2. Er hätte ihr eine Salbe gegeben um die Zaubergabel zu schmieren.

3. Mit dieser sei sie durch den Schlot ein- und ausgefahren.

4. Der Böse sei einmal als Bock, einmal als schwarze Ente oder als Rabe erschienen.

5. Als der Teufel als Drache mit feuerspeiendem Maul durch den Schlot kam, sei er brennend geworden und hiervon sei das Dorf zu Asche geworden.

Markgraf Christian Ernst, dem dieses Geständnis in Bayreuth vorgelegt wurde, verhängte das Todesurteil.

Am 21. Juli 1665 drängte sich das Volk, das aus dem gesamten Umland nach Hof geströmt war, um das Blutgerüst. Über die Klostergasse brachte das Armesünderwägelchen die Verurteilte zur Richtstätte vor dem Rathaus. Der Stadtvogt Johannes Zencker verlas, in Anwesenheit aller Ratsherren und Bürgermeister, das Urteil. Unter dem Gesang der „armen Schüler” brachten Geistliche Anna Viehmann auf das Blutgerüst, wo sie durch den Scharfrichter als Kulmbach mit dem Schwert enthauptet wurde. Das Pferd des Henkers schleifte den Leichnam zum Galgenberg, dort wurde er „mittels 3 Klafter Holz und Büscheln zu Pulver verbrannt”.

Anna Viehmann war die letzte im Raum Hof als Hexe hingerichtete Frau.

 

div. Quellen

 

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